Mobirise

Generation Why

Martin Schaller,  21.2.2015

Während die Generation X einst auf Konsum verzichtete, setzt die Generation Y oder Why andere Prioritäten. Sie verzichten auf Karriere und Prestige. Ihnen ist die Work-Life-Balance wichtig! Work-..., was? Deswegen gibt es also die Wasserwagen-App auf Smartphones oder habe ich da was falsch verstanden? Nein, unsere Jugend legt Wert auf Familie, Sinnsuche und der Spaß soll nicht erst nach der Arbeit beginnen. Nachdem die neue Generation mit 30 Jahren erwacht (buddha) ist, ihre Rolle in der Gesellschaft gefunden hat und eine Familie gründet, wollen sie Spaß (auch noch bei der Arbeit). “Spaß” wollte 1983 auch Markus (Neue Deutsche Welle). Der Unterschied ist, dass die neue Generation für diese Idee auch noch gelobt werden will. Der hohe Stellenwert der Familie und die kritische Grundeinstellung (“Why”) sind ja nicht zu beanstanden. Kritisch waren auch die “68-er”. Schwierig ist der Blickwinkel. Unsere Jugend fragt nicht, was sie leisten kann, sondern was sie bekommt. Das Bittere für uns Ältere ist, dass wir selbst daran Schuld sind. Wir mussten ja unbedingt mit unserem Saatgut geizen wie die Schotten mit dem Pfund. Jetzt holt uns der demographische Faktor ein. Das Bisschen, was auf dem Arbeitsmarkt nach Belustigung sucht, will umworben werden.


Das Suchen nimmt kein Ende! Früher in der DDR suchten wir nach dem Produkt, heute suchen wir nach dem besten Preis. Unsere Kinder suchen nach dem Sinn.


Der Fachkräftemangel erfordert von uns neue Flexibilität. Die Stellenausschreibungen müssen neu erfunden werden. Gesucht wird das Universalkomposit (Front- und Seitenzahnbereich) für alle Indikationen mit schmelzgleicher Brillianz, besten physikalische Eigenschaften und höchsten Haftwerten bei lebenslanger Farb- und Formstabilität. Ach so, kosten darf es natürlich nichts. Eigentlich ist das unmöglich. Aber wir Zahnärzte stehen nicht zum ersten Mal vor der Herausforderung, das Unmögliche zu realisieren.


Wenn wir in Zukunft nicht die Pflegekosten unserer Eltern, den Unterhalt unserer Kinder und unsere Rente finanzieren wollen, sollte uns schnell etwas einfallen! Dreimal ruhig durchatmen und überlegen. Ich glaube, diesmal gerät die genialste Zunft unserer Erde an die Grenze. Wir können die zahnfarbene, selbstadhäsive, selbstpolierende, kariesprotektive Amalgamfüllung nicht erfinden. 


Es bleibt nur die Vermischung der Nationen. Syrische Kinder hätten eine Menge Spaß, täglich die Schule zu besuchen. Afrikanische Jugendliche wären froh, täglich arbeiten zu können. Sie fragen sich: Warum dürfen wir es nicht!


Kinder gibt es in vielen Ländern genug. Von einer ausgeglichenen Work-Life-Balance sind diese jedoch meistens weit entfernt.


Wir brauchen nicht Buddhas Eckzahn. Regen gibt es bei uns genug. Wir brauchen Kinder, die nicht auf die Wiedergeburt warten, sondern eine Gesellschaft aktiv gestalten.


Spaß ist häufig das Ergebnis, niemals das Ziel!