https://mobirise.com/

Vorkommen von Fluorid

Fluorid kommt im Trinkwasser (0,02 -1,8 mg/l), im Erdboden (80-100 mg/kg), in der Luft (0,1-1,3 µg/m3) und in Nahrungsmitteln in unterschiedlicher Konzentration vor. Laut Trinkwasserverordnung ist der Fluoridgehalt in Deutschland auf 1,5 mg/l begrenzt. Mineralwässer mit höheren Werten müssen eine spezielle Kennzeichnung ausweisen (ab 5 mg/l mit Warnhinweis).

Karieshemmende Wirkungsmechanismen

A ) Systemische Fluoridierung (Aufnahme durch Tabletten oder Nahrungsmittel) :


Während der Mineralisation des Schmelzes wird durch das Fluorid der Hauptbestandteil Hydroxylapatit in Fluorapatit umgewandelt. Dieser besitzt eine geringere Säurelöslichkeit. Der Schmelz ist somit resistenter gegen Kariesattacken. Diesem Effekt hatte man bislang große Bedeutung beigemessen. In der heutigen Zeit hält man die lokale Fluoridierung für wichtiger.


B ) Lokale Fluoridierung (Lacke, Gele und Zahnpasten direkt auf dem Zahn):

  • Bildung einer calciumfluoridhaltigen Schicht (Calciumfluorid, fluoridiertes Hydroxylapatit oder Fluorapatit)

  • Diffusion von Fluoridionen in den Schmelz

Beide Mechanismen bewirken beim Abfall des ph-Wertes (Karies) die Verkürzung der Demineralisations- (Herauslösung von Calcium) und die Förderung der Remineralisationsphase (Wiedereinlagerung von Calcium). Außerdem wird durch den calciumhaltigen Niederschlag, der auch als “Schutzschicht” fungiert, der Schmelz erst später angegriffen.


Die lokale Fluoridierung hat in der Regel den Vorrang (Stellungnahme). 

C ) Antibakterielle Wirkung :

Fluorid hemmt unspezifisch (Übersäuerung des Zellinneren, damit Beseitigung des ph-Optimums der Enzyme) und spezifisch (Enzym Enolase) den Energiestoffwechsel. Damit werden zwei Fliegen mit einer Klappe erschlagen. Es wird sowohl die Energiegewinnung als auch die Milchsäureproduktion reduziert. Insgesamt ist jedoch die Effektivität dieser Karieshemmung gering.

Die kariesprophylaktisch optimale Fluoridaufnahme beträgt 1,5 mg/Tag.

Art und Dosis der Fluoridierung

Durch die natürlichen Vorkommen des Fluorids (Trinkwasser, Fisch, Fleisch, Eier, Milch) und die Speisesalzfluoridierung ( 250 mg Fluorid/kg ) nimmt der Erwachsene täglich ca. 0,5-0,8 mg Fluorid auf. Unter Berücksichtigung des Stellenwertes der systemischen Fluoridierung gilt dies als ausreichend. Nur wenn konsequent kein fluoridiertes Speisesalz und keine fluoridhaltige Zahnpasta verwendet werden, kann eine Tablettenfluoridierung sinnvoll sein (Stellungnahme).


Natürlich spielt hier das individuelle Kariesrisiko eine Rolle. Lassen Sie sich von Ihrem Zahnarzt beraten!


Aufgrund des Stellenwertes der lokalen Fluoridierung sollten bei der Zahnpflege fluoridierte Artikel (Zahnpasta, Mundspülung etc.) verwendet werden. Der Fluoridgehalt für Zahnpasten (tägliche Anwendung) beträgt für Erwachsene 1000-1500 ppm (parts per million) = 0,1-0,15 % = 1000-1500 mg/kg und für Kinder 250-500 ppm = 0,025-0,05 % = 250-500 mg/kg. Mundspüllösungen enthalten 0,0225 % (tägliche Anwendung) oder 0,225 % (wöchentliche Anwendung) Fluorid. Bei höherem Kariesrisiko können in häuslicher Anwendung wöchentlich Gele mit 1,25 % Fluorid oder halbjährlich durch den Zahnarzt Lacke mit 2,3 % Fluorid benutzt werden.

Toxikologie

Die kontroverse Diskussion über den zahnmedizinischen Einsatz von Fluoriden entsteht durch die Tatsache, daß Karies keine Fluoridmangelerscheinung ist und durch die toxikologisch möglichen Folgeerscheinungen. Karieshemmende Dosen Fluorid sind nicht essentiell, sondern ein “Trick” der Industrienationen, um kariesfördernde Angewohnheiten (zuckerreiche Kost, zahlreiche Zwischenmahlzeiten) zu kompensieren. Durch kommerziell angebotene Produkte mit höheren Fluoriddosen sind Überdosierungen möglich, jedoch vermeidbar. Außerdem macht bekanntlich allein die Dosis das Gift:


Die potentielle Letaldosis für Kochsalz liegt bei 40-75 g (Erwachsener).


Bei der Fluoridüberdosierung unterscheidet man die akute und die chronische Toxizität.


  • Die akute Toxizität wird definiert durch :


Probably Toxic Dose (PTD) = wahrscheinlich giftige Dosis = 5 mg/kg Körpergewicht (einmalige Aufnahme)

     

        und


Certainly Toxic Dose (CTD) = gewiß giftige Dosis = 32-64 mg/kg Körpergewicht (einmalige Aufnahme)


Hier kommt es zu Übelkeit, Erbrechen und Bauchschmerzen (spezifische Vergiftungszeichen) sowie zu vermehrtem Speichelfluß, Tränenfluß, Kopfschmerzen und kalten feuchten Händen (allgemeine Vergiftungszeichen) sofort nach Überdosierung. Stunden später kann es zu Spasmen, Tetanie, Pulsrasen, Herzrhythmusstörungen, Blutdruckabfall und Atemdepression kommen.


  • Bei chronischer Intoxikation kommt es zu Zahnfluorose (weiße bis gelb-braune Schmelzflecken, Formdefekte des Schmelzes) und seltener zu Skelettfluorose (Verkrüppelungen, Verkalkungen von Bändern und Gelenken, Wachstumshemmung). Dies geschieht bei der kontinuierlichen und täglichen Einnahme von 0,03- 1,0 mg/kg Körpergewicht während der Zahnentwicklung (Zahnfluorose) bzw. bei der Einnahme von mehr als 10 mg pro Tag über 10 Jahre (Knochenfluorose). Da ein echter Schwellenwert für Dentalfluorosen nicht definiert werden kann, sollte die tägliche systemische Fluoridaufnahme 0,1 mg/kg Körpergewicht (Whitford,1990) nicht übersteigen.


Kinder dürfen fluoridhaltig Produkte nicht unbeaufsichtigt anwenden!

 

Ab dem Durchbruch der bleibenden Seitenzähne (ab 6 Jahren) ist die Versiegelung der Fissuren eine wichtige kariesprophylaktische Maßnahme.